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04.03.2013Covadonga Verlag

Jetzt neu: Wiggos Memoiren

747.gifAm Abend der 11. Etappe der letztlich doch siegreich beendeten Tour de France 2012 habe er kurz davorgestanden, das Rennen im Gelben Trikot zu verlassen. Das offenbart der britische Radrennfahrer Bradley Wiggins in seiner neuen Autobiografie Meine Zeit, die heute im Covadonga Verlag erscheint (ISBN 978-3-936973-74-7, Hardcover, 352 Seiten, EUR 19,80). Zuvor nämlich hatte er an diesem Tag in den Alpen mitansehen müssen, wie sein Mannschaftskollege Chris Froome sich nicht mehr um die morgendlichen Absprachen im Teambus scherte und plötzlich auf eigene Faust attackierte. Eine Vorstellung, die Wiggins, der nach eigener Aussage jedwede Unsicherheiten zutiefst verabscheut und im asketischen Arbeiten nach Plan seine wahre Erfüllung findet, nicht ertragen konnte. „So etwas mache ich nicht noch zwei Wochen mit, wenn ich nicht weiß, was mich erwartet“, sei seine spontane Reaktion gewesen: „Nach La Toussuire wollte ich nach Hause fahren.“ Vielleicht ist auch das ein Grund, warum eine etwaige Titelverteidigung für Wiggins bisher nicht höchste Priorität hat. Sein heimlicher sportlicher Traum sei ein ganz anderer, wie er in seinem Buch verrät. Bei den nächsten Olympischen Spielen wäre er liebend gern als Ruderer dabei, „vielleicht im Leichtgewichtsvierer oder einer ähnlichen Bootsklasse“ – auch wenn er sogleich einräumt, dass es wohl „leider“ bei einem Traum bleiben werde.

Ungekünstelt und geradeheraus. Ein Typ mit eigener Meinung, der auch mal aneckt. So haben Sportfans in aller Welt den Mann mit den markanten Koteletten kennengelernt, der im vergangenen Juli als erster Brite in der mehr als hundertjährigen Geschichte des Rennens die Tour de France gewann. Und genauso normal und bodenständig präsentiert sich Bradley Wiggins nun auch in seiner Autobiografie. „So etwas passiert Jungs aus Kilburn einfach nicht“, fasst er in der Schlusspassage des Buches seine Unfähigkeit zusammen, sich nun auf einer Stufe mit Kindheitsidolen wie Miguel Induráin zu betrachten. Und auch die Schwierigkeit, sich mit der Ritterwürde anzufreunden, die ihm Queen Elizabeth II. in diesem Jahr verleihen wird.

„Co-Autor William Fotheringham trifft genau den Ton dieses Mannes, der offen zugibt, manchmal schwierig zu sein; das Resultat ist ein aufschlussreiches Portrait des Tour-Siegers und seines Sports“, urteilt The Independent. Und The Sunday Times schreibt: „Wir erleben den echten, einnehmenden Wiggins, so als wären wir seine Kumpels, säßen mit ihm zusammen im Pub und er erzählte uns zum Nachmittagsbier, wie er die Tour und Olympiagold gewonnen hat.“

Erbarmungslose Trainings-Regimes: Kurbeln in der Sauna und immer auf Diät

Am 22. Juli 2012 war es, dass sich Bradley Wiggins den Sieg bei der Tour de France sicherte. Nur zehn Tage später gewann er bei den Spielen von London vor Millionen begeisterter Landsleute die Goldmedaille im Einzelzeitfahren. Eine Ausnahmesaison, in der er und sein Team Sky oft mit scheinbarer Leichtigkeit dominiert hatten, war endgültig gekrönt. Doch wie schwierig der Weg an die Spitze tatsächlich war, legt Bradley Wiggins nun in den 20 Kapiteln von „Meine Zeit“ dar. Unverstellt und hautnah, so als würde er noch ganz unter dem Eindruck der Ereignisse stehen, ergründet er, was es braucht und bedeutet, sich in seinem Beruf gegen die Besten der Welt durchzusetzen. Mit elaborierter Selbstreflexion hält sich Wiggins nicht auf – ganz direkt und ohne Filter rekapituliert er die Projekte Tour- und Olympiasieg.

Detailreich erzählt sein Buch also von erbarmungslosen Trainings-Regimes und Momenten des Zweifelns. Von schweißtreibenden Stunden mit gebrochenem Schlüsselbein auf dem Rollentrainer in der extra auf 40 Grad aufgeheizten Gartenhütte. Von einer kompromisslosen Opferbereitschaft, die auch seine Familie mit einschließt. Von den bisweilen seltsamen Marotten eines ganz auf sein Ziel fokussierten Radprofis, der sich standhaft weigert, seinen eigenen Koffer zu tragen, Kekse im Haus zu dulden oder mehr als einen Kilometer zu Fuß zu gehen. Von den neuen Wegen, die der vom Schwimm- und Rudersport rekrutierte Trainer Tim Kerrison ihm weist, und vom festen Willen, sich von den vielen „Na, weil es halt schon immer so gemacht wird“-Traditionen der Radrennszene zu lösen. Von der entscheidenden Erkenntnis, sich im einsamen Training oft härter und effektiver belasten zu können als im Rennen. Von Rivalen, Freunden und Mannschaftskollegen und von der Schwierigkeit, die Rolle als Teamleader wirklich voll anzunehmen und auszufüllen. Und auch von der Motivation, die er aus dem Trauma der Debüt-Saison von Sky zog, als das sportliche Scheitern vom Tod seines Großvaters George gekrönt wurde, des Mannes, bei dem er aufgewachsen war und der ihm einst die Liebe zum Sport nahebrachte: „Selbst heute glaube ich, dass ich mich vor allem deshalb mit Haut und Haaren in den Kampf um den Toursieg stürzte, weil das eine Chance war, alles zu vergessen.“

Bradley Wiggins’ Autobiografie erscheint mit einem Vorwort des ehemaligen schottischen Radprofis Robert Millar, der unter anderem „Bergkönig“ der Tour de France 1984 war, sowie einer dreigeteilten Fotostrecke. Viele der Aufnahmen stammen von dem Fotografen Scott Mitchell, der Bradley Wiggins und das Team Sky über mehrere Jahre begleitet hat.




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