Am Samstag startet die dritte und letzte Grand Tour des Jahres. Auch zur Vuelta 2025 laden wir euch natürlich wie immer herzlich zu einer neuen Ausgabe unseres Radsport-Managerspiels Teamtoto ein. Und zudem haben wir auch die eine oder andere Buchempfehlung für euch, die wir euch als Begleitlektüre zur Spanien-Rundfahrt ans Herz legen.

Da wäre natürlich zunächst einmal »Vuelta Skelter«, Tim Moores Erzählung über seine von Corona und allerlei Wetterkapriolen und Pannen geplagte Radtour auf den Spuren der Spanien-Rundfahrt 1941, mit der er seine Trilogie der drei großen Landesrundfahrten auf heroische – und gewohnt komische – Weise vollendete. Und das beginnt ungefähr so:
Spaniens nationales Straßenradrennen ist mit Abstand die am wenigsten großartige der drei großen Landesrundfahrten. Sie wurde erst 1935 ins Leben gerufen, sechsundzwanzig Jahre nachdem der Giro sich im Radsportkalender zur Tour de France gesellt hatte. Seitdem ist der Termin der Vuelta im Versuch, eine feste Nische für sie zu finden, ein ums andere Mal verlegt worden – April, Juni, August, Oktober. Im Großen und Ganzen vergeblich, denn das Rennen hat sich seit jeher schwer damit getan, die besten Fahrer der Welt anzulocken: Eddy Merckx ließ sich nur einmal blicken, 1973, und fuhr bei der Gelegenheit die Konkurrenz mühelos in Grund und Boden.
Wenn die Vuelta a España Geschichte schreibt, dann ist es meist die falsche. Nach seinem Erfolg bei der Spanien-Rundfahrt 1974, die er mit elf Sekunden Vorsprung gewann – damals der knappste Sieg, den es je bei einer großen Rundfahrt gegeben hatte –, verblüffte José Manuel Fuente die ausländische Presse, als er verriet, dass er seine Nerven vor der letzten Etappe damit beruhigt hatte, die ganze Nacht Kette zu rauchen. 2013 wurde der einundvierzigjährige Amerikaner Chris Horner der älteste Grand-Tour-Sieger aller Zeiten und das überaus deutlich, mit einem Abstand von fünf Jahren. Es war erst sein zweiter Sieg bei einem europäischen Rennen. Und während die anderen großen Landesrundfahrten, wenn überhaupt, nur wegen weltweiter Konflikte abgesagt wurden, gab es in Spanien in den 1950er Jahren fünf Jahre lang keine Vuelta, einfach weil niemand Lust darauf hatte.
Angesichts all dessen ist es vielleicht keine Überraschung, dass das englischsprachige Werk Viva la Vuelta die einzige in Buchform veröffentlichte Geschichte des Rennens zu sein scheint. Nicht einmal die Spanier haben sich die Mühe gemacht, eine zu schreiben. Und doch bin ich nur bis Seite 25 gekommen, bevor ich das Werk zu Boden fallen ließ. Verstehen Sie mich nicht falsch: Viva la Vuelta ist eine äußerst fesselnde Lektüre, und einige Wochen später habe ich es wieder zur Hand genommen und das ganze Buch in einem Rutsch durchgelesen. Ich habe es nicht aus Verzweiflung oder Gleichgültigkeit fallen gelassen, sondern aus ehrlichem Erstaunen. Bis Seite 25 hatte ich einen Bericht über die Vuelta a España 1941 verschlungen, der sich um den Mann drehte, der sie gewonnen hatte, und darum, wie er die vorherigen fünf Jahre seines Lebens verbracht hatte. Auf Seite 25 wusste ich, wie ich die nächsten paar Monate meines eigenen Lebens verbringen würde …
Beim Blick auf das Profil der 6. Etappe von Olot nach Andorra wird vermutlich das Herz von Tom Dumoulin einen Schlag aussetzen. Denn da taucht knapp 20 Kilometer vor dem Ziel einmal mehr der Alto de La Comella auf. Auch bei der Recherchereise für sein Buch »Nach Gefühl« kehrte er mit Co-Autor Nando Boers mehr oder weniger zufällig an den Ort zurück, an dem er bei der Vuelta 2012 in einer Abfahrt so schwer und traumatisch stürzte:
»Eine fiese, kleine Dreckskurve.« Er schaut über den Rand hinunter, streckt seine Hand aus, streichelt das Metall der Leitplanke. War es hier? War das die scharfe Kante, an der er sich den Bauch aufgeschlitzt hat? »Ich fühlte mich einsam.« Seine Stimme wird leiser. »Ich hatte mich noch nie so allein gefühlt. Wenn ich hier so stehe und zurückdenke, muss ich schlucken. Die Erkenntnis, dass ich dem Tod einen Moment lang sehr nahe war. Auch die Erkenntnis, dass man auf so einsame Weise sterben kann.«
Alles lief wie in einem Film ab. Es herrschte große Panik, auch beim Sportlichen Leiter, der ihn als Erster erreichte. »Als ich auf der Leitplanke saß, versuchte ich noch, die Wunde mit der Hand zuzudrücken. Im Krankenwagen haben sie mich an Ort und Stelle geklammert, sie legten Verbände an und fuhren mich dann in einem irren Tempo ins Krankenhaus, unten im Tal. Dort wurde ein CT gemacht. Zum Glück hatte ich keine inneren Blutungen. Willst du die Narbe sehen?« Er zieht sein Hemd hoch. Der Streifen ist gut und gerne 25 Zentimeter lang.
Obwohl es sein eigenes Verschulden war, vertraute er von diesem Tag an nie mehr auf die Abfahrkünste des Fahrers vor ihm. Fortan verließ er sich nur noch auf die Streckenkarte, die auf seinem kleinen Bordcomputer am Lenker angezeigt wurde, und achtete darauf, bergab möglichst wenige Fahrer um sich herum zu haben. »Von da an war ich mir der Gefahren des Berufs bewusst. Aber in den Jahren danach wurde diese Angst oft vom Adrenalin verdrängt, das man im Rennen verspürt. Vor allem in den Zeiten, in denen ich gut drauf war und viel auf dem Spiel stand. Aber irgendwo, in einer kleinen Ecke in meinem Hinterkopf, gab es immer dieses Bewusstsein, dass das, was wir da tun, etwas sehr Gefährliches sein kann, etwas sehr Beängstigendes. Dass wir, die Fahrer, überaus zerbrechlich und verwundbar sind. Dass alles sehr vergänglich ist.«
Fast jeder Profi, der ein paar Jahre aktiv ist, sagt Tom, hat mindestens einen Moment erlebt, in dem ihm klar wurde, dass sein Leben am seidenen Faden hängt. »Das gibt einem schon zu denken, oder? Dass man fast sicher sein kann, im Laufe seiner Karriere ein paarmal dem Tod gerade so von der Schippe zu springen. In welcher anderen Sportart oder in welchem sonstigen Beruf gibt es das? Dass der Tod so nahe ist?«
Zum Kreise der Vuelta-Etappensieger gehört wie Dumoulin auch Dan Martin. Ihn haben seine frühen Vuelta-Starts ebenfalls nachhaltig geprägt, wie er in seiner Autobiografie »Von Pandabären verfolgt« verrät:
Bei der Spanien-Rundfahrt 2009, der ersten Grand Tour meiner Karriere, kam ich einigen der Geheimnisse auf die Spur, die zum Sieg führen:
1. Den Sieg fängt man wie einen Fisch. Man wirft den Köder aus, wartet darauf, dass er anbeißt, und glaubt daran, dass man ihn fangen wird. Vielleicht muss man lange darauf warten. Man muss sich selbst davon überzeugen, dass man ihn fangen wird, und zwar nicht in vager »Früher oder später wird’s schon klappen«-Manier, sondern innerhalb eines abgesteckten Zeitrahmens, der kurz genug ist, um den Fisch im richtigen Moment an den Haken zu bekommen. Ein Sieg kann überraschend kommen, aber er wird herbeigesehnt worden sein, den Gedanken daran wird man tief in sich gehegt haben.
2. Siege sind kumulativ. Je mehr man gewinnt … desto mehr gewinnt man. Das Gegenteil ist sogar noch wahrer: Wenn man vergisst, wie man gewinnt, und eines Tages dann auf die richtigen Reflexe angewiesen ist, um zu gewinnen, weil nun endlich ein Sieg winkt, hat man letztlich keine Chance.
Ich habe bei der Spanien-Rundfahrt keine Etappe gewonnen, aber ich habe gesehen, wie meine Teamkollegen es taten, und ich habe von ihnen gelernt, wie man sich besser mit dem Sieg vertraut macht. Tyler Farrar gewann die elfte Etappe im Sprint. Ryder Hesjedal gewann die Bergankunft auf der nächsten Etappe. David Millar gewann das Zeitfahren am Tag vor der abschließenden Tour d’Honneur nach Madrid. Jeder von ihnen hatte in seiner persönlichen Domäne geglänzt, aber jeder dieser Siege war auch mit den anderen verknüpft. Der Appetit kommt mit dem Essen, heißt es. Ebenso glaube ich, dass jeder Sieg den jeweils nächsten ermöglichte. Nicht etwa, weil wir von dem Wunsch getragen waren, den Teamkollegen nachzueifern oder ihnen in nichts nachzustehen. Es ist einfach so, dass das Siegen eine starke und gesunde Energie erzeugt, und davon haben wir alle profitiert.
Ich beendete diese erste Vuelta auf dem 53. Platz, eine Stunde und 26 Minuten hinter Alejandro Valverde, und das war eine tolle Leistung. Ein Resultat ist etwas anderes als eine Leistung, auch wenn wir dazu neigen, die beiden zu verwechseln. Es gibt tausend Arten und Weisen, ein Resultat zu erzielen. Umgekehrt kann man außergewöhnliche Anstrengungen unternehmen, ohne dafür mit einem guten Resultat belohnt zu werden. Ich blieb den Grundsätzen der Bescheidenheit treu, die meine Altvorderen mir beigebracht hatten: Gib dein Bestes, und dann werden wir sehen; wenn du von jemandem geschlagen wirst, der stärker ist als du, hast du nichts zu bedauern.
Meinen ersten Etappensieg bei einer Grand Tour errang ich zwei Jahre später. Es war wieder bei der Vuelta, am 28. August 2011. Im Laufe der Zeit hatte ich gelernt, mich dem Sieg anzunähern, indem ich mir alle möglichen strategischen Erkenntnisse zunutze machte. An diesem Tag stellte ich mir vor, ein Sprinter zu sein. Ich wollte so fahren wie sie, denn sie sind die Fahrer, die am besten darin geschult sind, sich komplett auf ein Ziel zu fokussieren und genaue Berechnungen anzustellen – sie haben keinen Spielraum für Fehler, ihr Spielfeld ist kaum 300 Meter lang. Das Ziel war der Gipfel von La Covatilla, oberhalb der Stadt Béjar. Auf halber Höhe des Anstiegs, sechs Kilometer vor dem Ziel, griff Vincenzo Nibali an, wurde aber wieder eingeholt. Kurz danach habe ich mir gesagt, dass ich es versuchen muss. Ich griff über die linke Seite der Straße an. Auf der rechten Seite sah ich einen Fahrer, der das Gleiche tat wie ich. Ich blickte hinüber: Es war Nico. Wir fuhren weiter. Unser Ziel war es, einen kleinen Vorsprung auf die großen Favoriten herauszufahren. Ich trat sehr hart in die Pedale, fuhr aber in meinem eigenen Tempo. Was nun zählte, war weniger Kraft als reine Geschwindigkeit.
Drei Kilometer vor dem Ziel wurde die Etappe fast wie ein flämischer Klassiker. Ich wurde eingeholt. Ein furchterregender Seitenwind fegte über uns hinweg. Ich suchte ein wenig Deckung am Straßenrand neben den Absperrungen und versuchte, mich so gut es ging vor dem Wind zu schützen. Die Gruppe der Kletterer zog sich in die Länge und drohte auseinanderzubrechen. Wir wechselten uns in der Führungsarbeit ab, um uns vor den Böen zu schützen. Windstaffeln begannen sich bilden – auf einer Bergetappe. Die beiden Sky-Fahrer Bradley Wiggins und Chris Froome drückten ordentlich aufs Tempo. Der Niederländer Bauke Mollema wurde von seinen langen Beinen angetrieben, beflügelt von der Aussicht, das Rote Trikot des Gesamtführenden von Joaquim Rodríguez zu übernehmen, der zurückgefallen war. Alles, woran ich denken konnte, war der Bogen, der den letzten Kilometer ankündigte. Das würde meine Ziellinie sein. Was auch immer danach passieren würde… Das ist ein weiterer Trick, den ich von den Sprintern gelernt habe. Die Flamme rouge markiert den Beginn der Siegeszone. Ich kontrollierte meine Atmung. Man musste vor den letzten 200 Metern attackieren, denn diese verliefen wieder leicht bergab. Der Erste, der attackierte, würde gewinnen, es sei denn natürlich, seine Beine wären zu Pappe geworden. Ich griff an. In diesem Moment wusste ich, dass ich meine Vuelta-Etappe gewonnen hatte.
Ich dachte an meine erste Spanien-Rundfahrt. An die Siege, die meine Freunde im Team eingefahren hatten. Dieses Rennen war eines derjenigen, die mich am meisten ins Grübeln gebracht hatten. Vor allem, als mein Teamkollege Christian Meier vier Tage vor Madrid das Rennen verlassen musste. Christian war ein ruhiger und ausgeglichener Fahrer, der aus Kanada stammte, wo er viel Zeit auf der Farm seiner Großeltern verbracht hatte. Nach dem Ende seiner Karriere pflegte er seine Leidenschaft für sehr guten Kaffee und eröffnete mit seiner Frau Amber eine Rösterei und einen Laden, der zu einem Anlaufpunkt in Girona werden sollte. Ich konnte spüren, wie er sich zurückzog. Abends nach den Etappen hatte er einen abwesenden Blick. Eine Zeit lang wollte er mir nicht sagen, was ihn bedrückte. Dann, eines Tages, erklärte er sich mir. Sein älterer Bruder hatte über Kopfschmerzen geklagt und als er sich untersuchen ließ, hatte man einen Hirntumor entdeckt. Zwei Tage später war er operiert worden. Sein Leben und das seiner Familie hatten sich von jetzt auf gleich verändert. Im September 2009 erlitt sein Bruder einen Rückfall. Sein Krebs breitete sich aus. Er starb während der Vuelta. Alles andere wurde dann bedeutungslos. Unsere Ausreißversuche, unsere Stürze, unsere Siege. Christian ließ sich zum Gedenken an seinen verstorbenen Bruder eine Botschaft auf den rechten Unterarm tätowieren: »Letzte Chance«. Um uns daran zu erinnern, dass wir unser Leben leben müssen und dass sich unser Schicksal von einem Moment auf den anderen verändern kann …
Und nicht zuletzt wäre da noch »unser Mann im Rennen«. Guillaume Martin-Guyonnet steht im Aufgebot von Groupama-FDJ für die Vuelta 2025 und erinnert sich in seinem neuen Buch »Von Menschen, die träumen« voller Staunen an die Phase seiner Karriere, in der er Bergkönig der Vuelta 2020 wurde:
In einer Sportlerkarriere gibt es auch längere, sich über mehrere Wochen erstreckende Momente, in denen man sich im Vollbesitz seiner Kräfte fühlt: Phasen, in denen einem alles gelingt, Phasen, in denen alles, was einem zuvor schwierig und unerreichbar erschien, plötzlich leicht und natürlich wird – ohne dass man wirklich verstehen würde, warum. […]
Seitdem ich Profi bin, also im Laufe von mittlerweile zehn Jahren, habe ich einen solchen Zustand nur zweimal erlebt, zunächst am Ende der Saison 2017, in einem längeren Zeitraum zwischen Mitte August und Mitte Mai, in dem ich fünf Rennen fast hintereinander gewann, meine ersten Siege auf höchstem Niveau. Dabei hatte ich kurz zuvor, Ende Juli, meine erste Tour de France in einem Zustand massiver Erschöpfung, ja, sogar »fortgeschrittenen Verfalls« beendet. Auf den letzten Etappen musste ich kämpfen, um überhaupt irgendwie mit dem Tempo des Pelotons mitzuhalten, ich hatte jeden Appetit verloren und in den Tagen nach der Ankunft in Paris lähmte mich ein ständiges Verlangen nach Schlaf. Entsprechend hatte ich mit einem komplizierten Saisonende gerechnet – stattdessen fand ich mich im Besitz einer ungeahnten Kraft wieder.
Das zweite Mal, dass ich diese Art von Gefühl erlebte, war in der Saison 2020, im Jahr von Corona. Die Radsportsaison war von den allgemeinen gesellschaftlichen Umwälzungen und Restriktionen betroffen: Die Rennen wurden von April bis August ausgesetzt, und die Trainingspläne wurden komplett über den Haufen geworfen, da Ausfahrten auf der Straße in Frankreich während des gesamten ersten Lockdowns untersagt waren, auch für Profisportler. Zum Zeitpunkt, als es wieder losging, befand ich mich also völlig im Ungewissen, was meine Form betraf. Zudem musste ich feststellen, dass der Wettkampfkalender ziemlich eingedampft worden war, was zu einer verschärften Rivalität bei den verbliebenen Rennen führte. Ich hatte einige gute und einige enttäuschende Ergebnisse, und dann, fast über Nacht, spürte ich, dass ich einen Schritt nach vorne gemacht hatte – ich wurde Dritter in der Gesamtwertung beim Critérium du Dauphiné, Dritter auf einer der ersten Etappen der Tour de France, bester Kletterer der Vuelta à España und maß mich ständig und regelmäßig auf Augenhöhe mit den besten Fahrern der Welt. Wie war das möglich? Warum? Es fällt mir schwer, das zu erklären.
Ich muss gestehen, seitdem blicke ich auf diese Momente der athletischen Selbstverständlichkeit, der absoluten Form, mit Wehmut zurück, ich sehne mich nach ihnen wie nach einem vergangenen goldenen Zeitalter, das einem gleichzeitig nah und fern, erreichbar und unfassbar erscheint. Ich bin zuversichtlich, diese seltene und kostbare Magie noch einmal erleben zu dürfen. Ganz gleich, ob im Sport oder in einem anderen Bereich: Ich denke, dass man auch beim Schreiben – und eigentlich bei jeder anderen Tätigkeit – dieses unglaubliche Gefühl der Leichtigkeit erleben kann, dieses Gefühl, dass einem nichts im Wege steht und alles fließt.
Ich glaube jedoch, dass es dafür eine Voraussetzung gibt, nämlich endlose Wiederholung, harte Arbeit und langes Üben. Man trainiert und trainiert, wochenlang, monatelang, ja, sogar jahrelang – man leidet, erntet oft nur Enttäuschungen, gelegentlich zaghafte erste Resultate, die einen zwar nicht überwältigen, aber gerade genug befriedigen, dass sie einen im Streben nicht nachzulassen ermutigen. Und dann plötzlich, wenn man es am wenigsten erwartet, geschieht das Wunder, als ob all die Arbeit, die man jahrelang im Verborgenen geleistet hat, in einer unwahrscheinlichen Epiphanie endlich ans Licht käme.
Also verfolge ich im Alltag, trotz der Müdigkeit und Entmutigung, die sich natürlich manchmal mit der Zeit einstellen, und ohne zu wissen, ob meine Bemühungen von Erfolg gekrönt sein werden, meinen diskreten Weg, der aus laktatintensiven Intervallen, zahllosen angesammelten Höhenmetern und gezieltem Krafttraining besteht. Und ich hoffe weiterhin, dass diese mühsame und schmerzhafte Routine mir eines Tages wieder die Tür zum Radsport-Nirwana öffnen wird: dass sich mir inmitten dessen, was sich nur als »Ozean des Leidens« bezeichnen lässt, irgendwann einmal wieder jene athletische Gnade offenbart, deren Intensität all die Jahre undankbarer Plackerei, durch die sie erst möglich wurde, wieder aufwiegt.




